Heizen heisst noch lange nicht trocknen!

Eines ist klar: Wer eine relativ ungenaue, unverlässliche Messmethode anwendet, kann auch keine genaue, gezielte Austrocknung vornehmen.

Wurde durch das Neutronen-Rückstreuverfahren der Ort eines erhöhten Feuchtegehaltes festgestellt und bestimmt, so kann bei Bedarf die ganz exakte Wassermenge mittels Darr-Verfahren (Material entnehmen - im Labor wiegen - trocknen - erneut wiegen) bestimmt werden. Die Materialprobe wird also nicht an einem zufälligen Ort entnommen. (SIA- und DlN-Normen verlangen vielfach den Darr-Messwert.)

Wichtig: Das zerstörende Darr-Verfahren wird erst dann und nur dort angewendet, wenn und wo ein erhöhter Feuchtegehalt durch das Neutronen-Rückstreuverfahren bewiesen und definiert und ein Sondierloch unumgänglich geworden ist! Hat man nun genaue Kenntnis über den Feuchteschaden, die Vernässungsfläche und den Wassergehalt im Bauteilaufbau, so kann das Trocknungsverfahren bestimmt werden. Auf den Punkt jenes, das für einen individuellen Fall geeignet und notwendig ist.

Unterschieden wird dabei zwischen der sogenannten "Isolations"-Trocknung und der Oberflächentrocknung. Flächendeckende Hauruck-Trocknungen - "damit man das ganze Wasser erwischt" - oder unnötige Trocknungen aufgrund ungenauer und unverlässlicher Messverfahren werden auf diese Weise vermieden. Dies ist bedeutend, weil zum Beispiel die eigentliche "Isolations"-Trocknung immer auch mit Substanz-Zerstörung einhergeht (zum Beispiel Bohrlöcher für Belüftung, Zerstörung von Nutzbelägen für Isolationstrocknungen usw.).

Als Trocknungsmethode steht dabei nicht nur das Verdampfen von Wasser (also das aufwärmende und kostenintensive Heizen, wie dies zum Beispiel bei Ad-sorptionstrocknern oder Raumheizungen der Fall ist) zur Auswahl. Äusserst effektiv und zeitsparend - wenn auch viel zu wenig eingesetzt - ist das sogenannte Vakuum-Verfahren. Bei ihm wird Wasser in flüssigem Zustand sehr effizient aus den Dämmzonen abgesaugt. Dieses Vakuum-Verfahren benötigt in der Regel ein Sondierloch - am richtigen Ort - und kann daher als sehr sanftes Verfahren bezeichnet werden.

Sanft ist dieses Verfahren, weil:

  1. zuerst das freie Wasser mit der Vakuumtechnik abgesaugt wird,

  2. man damit einen massiv erhöhten Dampfdruck in der Dämmzone vermeidet,

  3. das freiliegende Wasser nicht zuerst in die Randzonen gedrückt wird,

  4. das Wasser bei grossflächigen Räumen und örtlichen Vernässungen nicht unkontrolliert in die trockenen Zonen verteilt wird.

Nur das richtige Austrocknen verhindert unnötige Zerstörung!